Brennpunkt

Ein Jahr im Heidiland

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Claudia Züger

Im Juni endet sein Austauschjahr. Der Spanier Juan Mateo Najera studiert für zwei Semester an der Fachhochschule St.Gallen. Das schönste an der Schweiz seien die Alpen, die er bis jetzt aber noch nicht erklommen hat.

Juan Mateo Najera: Ein auffallend melodischer Name im Land von Müller und Meier. Und er passt. – Der 21-Jährige spielt Saxofon und singt leidenschaftlich. Obwohl sein Gesang schon mal besser geklungen habe, wie er sagt. Seine Mitbewohnerinnen berichten sichtlich amüsiert, seine Anwesenheit in der 4-köpfigen Wohngemeinschaft (siehe Seite 22) sei unüberhörbar: Er pfeife unentwegt.

Juan kam im September 2018 zum ersten Mal in die Schweiz. Er habe Gutes über Land und Leute gehört und sich deshalb für ein Austauschjahr hier entschieden. Wenn im Juni das zweite Semester an der FHS St.Gallen endet, reist er zurück in seine Heimat im Norden Spaniens. Er lebt mit seiner Familie in der Kleinstadt Laguardia mit 1’474 Einwohnern in der baskischen Provinz Álava.

Warum er gerade nach St.Gallen gekommen sei?  Seine Antwort ist pragmatisch: Die Gallussstadt sei in seinem Studiengang «Administration and Economics» an der Heimuniversität die einzige Option gewesen. Aber er ist glücklich damit: Sein Aufenthalt sei sogar besser als erwartet.

Positive Überraschungen

Er wurde in Spanien vorgewarnt, Herr und Frau Schweizer seien reserviert und verschlossen. Das kann er nicht bestätigen. Sogar offen nimmt er sein Umfeld war. Ausserdem möge er Fondue, erwähnt er zweimal – selbst verwundert und ein klein wenig stolz. Auch der Schweizer Winter konnte der guten Laune des Südländers nichts anhaben. Er ist sich aber bewusst, dass er aussergewöhnlich mild war. Ein Jahr zuvor hätte ihm seine Wetter-App manchmal Temperaturen von minus 15 Grad angezeigt, berichtet er ungläubig. Schlimmer als Minustemperaturen findet er nur noch die Preise hierzulande: «unglaublich teuer!» Einen weiteren Unterschied zur Heimat hat er im Rahmen des Praxisprojekts an der FHS in der Feedbackkultur ausgemacht. Er beschreibt sie als direkt und unverblümt. «Nicht unhöflich, einfach ungewohnt», präzisiert der Spanier diplomatisch. Früh übt sich: Zukünftig würde sich Juan am liebsten hauptberuflich in der spanischen Politik engagieren. «Yes, I love politics!», verkündet er beinahe feierlich.

Vorher aber möchte er noch die Schweiz bereisen, da  ihm die Landschaft besonders gefalle. Leider habe er noch wenig Gelegenheit gehabt, sie zu erkunden. Seine Ferien verbrachte er bisher in der Heimat. Begeistert berichtet er aber von einem Ausflug mit der FHS nach Lugano. Er besuchte den Weihnachtsmarkt, tauchte ins Nachtleben ein und  verliebte sich in die Stadt. «Hätte ich Geld, würde ich mir sofort ein Haus am Luganersee kaufen! Momentan steht das aber nicht zur Diskussion», sagt er mit einem Lächeln. Wer weiss, vielleicht eines Tages, wenn sich Juan Mateo Najera in der spanischen Politik einen Namen gemacht hat.

Juan Mateo Najera

Wertvolle Auslanderfahrungen im Rucksack: Juan Mateo Najera. (Foto: Bodo Rüedi)

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