20 Jahre FHS St.Gallen – 20 Porträts

Geglückter Start in einer verrückten Zeit

Andrea Sterchi

Gemeinsame Ziele und achtsames Zusammenwirken sind ihr wichtig. Leistungsbereiche vernetzen und Handlungsspielraum bewahren setzt sie sich als Ziele. Seit dem 1. März 2020 leitet Yvonne Gassmann den Fachbereich Soziale Arbeit. Ihren Start an der FHS hat sie sich jedoch anders vorgestellt.

Viele Menschen kennenlernen, Gespräche führen, ein Gespür für den Fachbereich und die Fachhochschule entwickeln – so hatte es Yvonne Gassmann geplant. Es kam ganz anders, als sie am 1. März offiziell als Leiterin des Fachbereichs Soziale Arbeit und Prorektorin startete. In einer Zeit, in der die Corona-Pandemie das Leben auf den Kopf zu stellen begann. «Bei meiner ersten Führung durch die FHS durfte ich niemandem die Hand geben. Eine spezielle Situation», erzählt sie. Kurz darauf leerte sich der FHS-Turm, Homeoffice und Distance Learning wurden zum Alltag. Zeit zum Einarbeiten blieb ihr wenig. «Wir mussten unter Zeitdruck entscheiden.» Trotzdem fühlt sie sich gut angekommen: Dank breit abgestützter Prozesse im Fachbereich und mit der Leitungskonferenz. «Viele kamen mit ihren Anliegen offen auf mich zu, man traute mir etwas zu. Dieses Vorschussvertrauen tut gut und macht handlungsfähig.»

Dieses Vorschussvertrauen tut gut und macht handlungsfähig.

Die Rolle der Wegbegleiterin

Yvonne Gassmann hat in Erziehungswissenschaft/Pädagogische Psychologie doktoriert, ihre Habilitation legte sie im Fach Erziehungswissenschaft/ Sozialpädagogik ab. Sie hat an Schweizer und deutschen Hochschulen doziert und geforscht, zuletzt an der EH Ludwigsburg. Wieso also der Wechsel nach St.Gallen? Die FHS als Mehrspartenhochschule mit vielfältigen Kompetenzen und der Fachbereich hätten eine passende Grösse. «Man kann etwas bewirken, ohne dass alles zu schwerfällig und langsam ist, aber so, dass man gehört wird.» Als Fachbereichsleiterin obliegt ihr die Koordination des Leistungsauftrags – Lehre, Weiterbildung, Forschung, Dienstleistung –, sie ist verantwortlich für Strategieprozesse und die Geschäftsplanung, auch in der OST, in der sie die Leitung des Departements Soziale Arbeit und das Amt als stellvertretende Rektorin übernimmt.

Die 48-Jährige sieht sich als Wegbegleiterin, die Menschen auf ihrem beruflichen und akademischen Weg unterstützt. Gemeinsame Ziele und achtsames Zusammenwirken sind ihr wichtig. Dafür brauche es transparente und abgestimmte Kommunikations- und Entscheidungswege sowie eine Dialogkultur und Offenheit. Ihr geht es darum, die Leistungsbereiche gut zu vernetzen, damit sie voneinander profitieren. «So kann aus einem Forschungsprojekt etwas in die Lehre einfliessen, ein Weiterbildungsangebot oder eine Dienstleistung entstehen.» Zugleich steht sie für Freiheit von Forschung und Lehre. «Möglichst grosse Autonomie ist nötig. Es gilt, den Handlungsspielraum und die Entscheidungsfreiheit des Departements zu bewahren.» Ein Moment hat ihren Start geprägt: die Diplomfeier. Auch wenn sie ohne Gäste stattfand. «Die Diplomierenden haben mich beeindruckt. Sie gaben mir das Gefühl, dass wir an der FHS Menschen ganzheitlich ausbilden. Die thematische Breite und die innovativen, mutigen Themen der Abschlussarbeiten haben mir imponiert.»